Reality Transsurfing verstehen (Teil 4): Balance – Wie du Wichtigkeit loslässt

Wenn du schon einmal auf einem Surfbrett gestanden hast – oder es dir zumindest vorstellen kannst –, dann kennst du dieses seltsame Gemisch aus Kontrolle und Ausgeliefertsein. Du bestimmst, wohin deine Füße zeigen, wie du dein Gewicht verlagerst, aber die Welle selbst gehört dir nie. Genau dort setzt Reality Transsurfing Balance an: Es ist die Kunst, im tobenden Ozean des Alltags aufrecht zu bleiben, ohne zu verkrampfen, und die Welle zu nutzen, statt gegen sie anzukämpfen.

Wie Wichtigkeit dich aus dem Gleichgewicht bringt

Im Modell des Reality Transsurfing ist nichts von sich aus „groß“ oder „klein“, „heilig“ oder „katastrophal“. Die Welt ist zunächst neutral, und erst unsere Bewertung lädt Situationen mit Energie auf. Dieses Aufladen nennt Vadim Zeland „Wichtigkeit“. Sobald etwas übermäßig wichtig wird, entsteht ein energetisches Übergewicht – Überschusspotential –, und das Leben schickt ausgleichende Kräfte, um das System wieder in Balance zu bringen.

Stell dir vor, du hast ein Bewerbungsgespräch, das für dich „alles“ bedeutet. Wochenlang malst du dir aus, wie dein Leben danach perfekt sein wird. Du übst Antworten, kontrollierst jede Geste, prüfst zehnmal, ob dein Hemd wirklich faltenfrei ist. Am Tag X sitzt dir der Personaler gegenüber – und plötzlich ist der Kopf leer, die Hände schwitzen, du verhaspelst dich bei banalen Fragen. Du wolltest alles richtig machen, doch gerade der Druck, den du aufgebaut hast, kippt dich aus dem Sattel. Die überschüssige Wichtigkeit erzeugt Gegenkräfte, die sich ganz nüchtern als Nervosität, Blackout oder unglückliche „Zufälle“ zeigen.

Dasselbe geschieht in Beziehungen. Sobald ein Partner zum Lebenssinn erklärt wird, verwandelt sich Liebe unmerklich in Abhängigkeit. Man klammert, kontrolliert, testet, fragt ständig nach Bestätigung. Die Luft wird dünn, das Gleichgewicht bricht, und die Beziehung erstickt an genau jener Wichtigkeit, die sie eigentlich „retten“ sollte.

Reality Transsurfing Balance bedeutet nicht, dass dir alles egal sein muss. Es bedeutet, dass du lernst, deine Wünsche ohne inneres Drama zu halten – klar, entschieden, aber ohne diese versteckte Botschaft: „Ohne das bin ich nichts.“

Innere Wichtigkeit, äußere Wichtigkeit – und die Falle der Pendel

Zeland unterscheidet zwischen innerer und äußerer Wichtigkeit. Innere Wichtigkeit ist das aufgepumpte Ego: „Ich bin besser als alle anderen“ – oder die umgekehrte Variante „Mit mir stimmt etwas Grundlegendes nicht“. Beides sind zwei Seiten derselben Medaille, denn in beiden Fällen kreist der Fokus krankhaft um das eigene Ich.

Äußere Wichtigkeit dagegen klebt an Dingen, Menschen und Situationen: der Traumjob, die eine große Liebe, der perfekte Körper, das spirituelle Erwachen noch vor dem Sommer. Je mehr du dir einredest, dass du ohne dieses Ziel nicht heil sein kannst, desto stärker schwingt das Pendel. Und Pendel lieben diese geladene Energie. Sie füttern sich von deiner Angst, deiner Verehrung, deinem Fanatismus – und steuern dich über Emotionen wie Furcht, Schuld oder Überidentifikation.

Ein kleine Geschichte:

Eine Frau bewirbt sich für eine Wohnung in ihrer Traumstadt. Wochenlang verfolgt sie jede Mail des Maklers wie ein Omen. Als die Zusage ausbleibt, ist sie überzeugt, das Leben sei gegen sie. In der Verzweiflung nimmt sie irgendein Provisorium weit außerhalb. Ein halbes Jahr später steht zufällig genau in dieser Gegend der Arbeitsplatz bereit, der ihr Leben verändert – das Angebot wäre mit der „Traumwohnung“ gar nicht zu vereinbaren gewesen. Das Pendel, das sie mit ihrer dramatischen Wichtigkeit in Gang gesetzt hatte, ließ sie alles als Niederlage interpretieren. In der Rückschau war es eine perfekte Verschiebung des Drehbuchs.

Die Lektion: Es ist nicht die Situation selbst, die weh tut, sondern die Wichtigkeit, die wir auf sie projizieren. Je mehr du aufblähst, desto härter greifen die ausgleichenden Kräfte.

Koordination: Die stille Haltung des Surfers

Statt mehr „Selbstbewusstsein“ zu forcieren – eine weitere Form von Wichtigkeit – schlägt Reality Transsurfing Balance etwas anderes vor: Koordination. Koordination ist die innere Haltung, in der du wach bleibst und zugleich davon ausgehst, dass das Leben grundsätzlich für dich arbeitet, auch wenn die aktuelle Szene anderes suggeriert.

Der koordinierte Mensch starrt nicht panisch auf jede Wellenkuppe und wartet darauf, abgeworfen zu werden. Er liest den Ozean, spürt die Bewegungen unter den Füßen und korrigiert still seine Haltung. Auf das Leben übertragen heißt das: Du nimmst Ereignisse zur Kenntnis, aber du entscheidest, auf welcher Version der Szene du dich festlegst.

Eine sehr praktische Form davon ist die „Vorteils-Haltung“. Bei jeder Störung, jedem Rückschlag fragst du dich: „Wo könnte hier der Vorteil liegen?“ Vielleicht zwingt dich eine Kündigung, endlich ernsthaft an deiner wahren Berufung zu arbeiten. Vielleicht enttarnt ein Streit in aller Klarheit, wo du dich seit Jahren verbiegst. Selbst wenn du den Vorteil noch nicht siehst, kannst du dich bewusst dafür entscheiden, dass einer existiert – und den inneren Kampf beenden.

In diesem Moment verschiebst du deinen Fokus von der „Problem-Version“ der Realität zu jener Spur, auf der das Geschehen dich stärkt. Nicht durch rosarote Brille, sondern durch die nüchterne Einsicht, dass jede Szene zwei Seiten hat.

Loslassen: Wenn Emotionen von allein schmelzen

Balance bedeutet nicht, Gefühle zu unterdrücken. Unterdrückte Wut, Scham oder Schuld bilden besonders zähe Wolken im „Himmel“ deiner Psyche und verdunkeln jede noch so schöne Absicht. Viele Menschen versuchen, diese Spannung durch Ausagieren zu lösen – Schreien im Wald, Türen knallen, endloses „Sich Luft machen“. Kurz fühlt sich das entlastend an, doch meist kehrt das Muster zurück, weil die emotionale Ladung im Kern unverändert bleibt.

Die Kunst des Loslassens funktioniert anders. Statt vor der Emotion wegzulaufen, setzt du dich zu ihr hin. Du nimmst dir einige Minuten, schließt innerlich die Tür, atmest und erlaubst dir, das Gefühl im Körper präzise zu spüren: die Enge im Hals, das Brennen in der Brust, die Schwere im Bauch. Du kommentierst nicht, du analysierst nicht, du erzählst keine Geschichten dazu. Du bist nur Zeuge.

Vielleicht stellst du dir dabei dein jüngeres Ich vor, das diese Emotion zum ersten Mal erlebt hat. Du schaust es an, als erwachsene Version von dir selbst, und fragst leise: „Darf das da sein? Kann ich es für einen Moment einfach fühlen, ohne es zu verurteilen?“ Allein dieses rückhaltlose Daseinlassen beginnt, die verdichtete Energie aufzulösen. Manchmal zeigen sich Tränen, manchmal ein tiefer Seufzer, manchmal nur ein feines inneres Nachgeben.

Loslassen heißt nicht, das Erlebte gutzuheißen. Es heißt, den Widerstand gegen das bereits Geschehene zu beenden. In diesem Augenblick nimmt das Pendel die Hände von dir. Die Wichtigkeit fällt aus dem Gefühl heraus, die überschüssige Ladung zerbricht, und darunter wird wieder etwas sichtbar, das vorher nur Theorie war: ein stiller, klarer Kern, der nicht von jeder Welle verschlungen wird.

Die stille Mitte als Praxis

Reality Transsurfing Balance ist keine Technik, die man ein Wochenende lang „lernt“, um dann nie wieder hinzuschauen. Es ist eher wie die Muskulatur eines Surfers: Sie entsteht, weil er immer wieder ins Wasser geht. Jedes Mal, wenn du Wichtigkeit bemerkst und einen Hauch herunterdrehst, trainierst du diese Mitte. Jedes Mal, wenn du im Chaos bewusst nach einem Vorteil suchst, statt dich hineinziehen zu lassen, verlagerst du dein Gewicht auf das Brett. Und jedes Mal, wenn du bereit bist, eine alte Emotion wirklich zu fühlen, statt sie zu betäuben, nimmst du Ballast von deinem inneren Ozean.

Dann wird das Leben nicht „perfekt“, aber es wird surffähig. Die Wellen hören nicht auf – doch du fällst seltener, stehst schneller wieder auf und beginnst irgendwann zu spüren, wovon alle Mystiker und Surfer gleichermaßen sprechen: Es gibt einen Punkt in dir, der nicht wankt, selbst wenn alles um dich herum in Bewegung ist. Genau dort beginnt wahre Freiheit.

Gökhan Siris
Gökhan Siris
Gökhan Siris ist Autor und Blogger, Begründer des Kritzelprofiling® und der AbundanceCode®-Methode, freiberuflicher Graphologe, Numerologe, Manifestations-Coach, EFT-Coach, Vielleser, Bewusstseinsforscher, sowie ein Grenzgänger zwischen Verstand und Seele. Seit über zwei Jahrzehnten widmet er sich mit unerschütterlicher Hingabe den großen Lebensthemen: Entfaltung, Heilung, Esoterik, Spiritualität, Gesellschaft und Bewusstsein. Seine Arbeit verbindet intuitive Erkenntnis mit analytischer Schärfe – stets auf der Suche nach dem Wesentlichen hinter dem Sichtbaren. Mit einem feinen Gespür für verborgene Zusammenhänge und einer Sprache, die Herz und Verstand zugleich anspricht, schreibt Gökhan Siris nicht, um zu belehren, sondern um zu erinnern. Seine Texte laden ein, gewohnte Denkweisen zu hinterfragen, alte Muster zu durchbrechen und sich dem inneren Ursprung wieder zu nähern. Dabei versteht er es, komplexe Inhalte klar und berührend zu vermitteln – jenseits von Dogmen, Klischees oder schnellen Antworten. Gökhan Siris steht für Tiefe statt Trends, für Wahrhaftigkeit statt Taktik und für eine neue Form des Denkens, Fühlens und Wirkens. Seine Artikel berühren, provozieren und transformieren – nicht, weil sie dich verändern wollen, sondern weil sie dich erinnern: Du bist nicht der Beobachter. Du bist der Ursprung.

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