Der Kurzfilm ist die Königsdisziplin des Films

Jeder große Filmemacher musste mindestens einmal in seinen Leben durch die schwere Hürde eines anspruchsvollen Kurzfilms hindurch, bevor er mit Langspielfilme fürs Kino beginnen durfte. Wer den Kurzfilm meistert, beweist dass er sein Handwerk vollends beherrscht. Kurzfilme sind das ehrlichste im Film überhaupt. Keiner will Sie ins Kino locken um dann die große Kohle zu scheffeln. Keine übertriebene Action, keine Schnörkeleien, nichts Überflüssiges, sondern lediglich die pure Botschaft eines Künstlers bleibt dem Film erhalten.

Ein Kurzfilm kann Ihnen vieles vermitteln

Außerhalb der professionellen Beschäftigung mit Kurzfilmen, könnte ihnen ein Kurzfilm vieles vermitteln – überhaupt Film als Medium -, was Sie in der Welt so nicht sehen. Sie lernen sich und die Welt besser verstehen. Damit ein Kurzfilm diese Kraft haben kann, muss es ein wirklich guter Kurzfilm sein. Es muss bestimmten Regeln gehorchen. Diese Regeln möchte ich Ihnen in diesem Artikel kurz und knapp – in Form von 15 praktischen Tipps – aufzeigen. Vielleicht lernen auch Sie bald Kurzfilme mehr zu schätzen, oder sie drehen sogar irgendwann selbst welche.
Kurzfilm-Drehbücher schreiben

15 überlebenswichtige Tipps für einen gelungenen Kurzfilm

  1. Arbeiten Sie ein sogenanntes “Alleinstellungsmerkmal” heraus, d.h. stellen Sie sich ganz konkrete Fragen wie: Was macht den Kurzfilm eigentlich besonders? Was ist an ihm im Vergleich zu anderen Filmen anders? Was unterscheidet ihn? All diese Fragen sind entscheidend für die Wirkung aber auch den Erfolg von Kurzfilmen. Schauen Sie sich am besten viele erfolgreiche Kurzfilme an, und versuchen sie herauszufinden, was sie voneinander unterscheidet.
  2. Verfangen sie sich nicht in der Vielfalt an zu erzählenden Themen. Bleiben sie stets bei nur einem einzigen relevanten Thema; dieses sollte am besten auch ein aktuelles Thema sein, so gehen sie in jedem Fall sicher, dass ihr Film auf reges Interesse stößt.
  3. Der Anfang eines Kurzfilms sollte in jedem Fall faszinieren. Wie sie das anstellen, bleibt ihrer künstlerischen Kreativität überlassen. Das Ende hingegen, sollte beim Zuschauer hängenbleiben, es sollte eine fesselnde Pointe erhalten; also eine geistreiche Antwort auf eine Frage, die der Film den Protagonisten des Films und damit auch dem Zuschauer stellt.
  4. Spielen Sie mit den Erwartungen der Zuschauer. Sie müssen sich also darüber klar werden, was ihr Zuschauer denken und fühlen soll. Hierfür ist es besonders wichtig, dass sie ein klares Genre bedienen und auch dabei bleiben. Kurzfilm ist Kunst, jedoch will jeder Zuschauer – auch der Kunstkenner – zumindest eine grobe Einteilung des Films.
  5. Ein Kurzfilm, hat im Gegenteil zum Film und Roman wenige Figuren, dafür aber eine umso feinere Charakterzeichnung. Die Figuren sind hierbei immer einzigartig, jedoch auch nachvollziehbar.
  6. Ein Kurzfilm hat keinen Platz für einen langatmigen Konflikt in allen Details. Der Konflikt eines Kurzfilms muss für jeden leicht verständlich sein. Ebenso der Plot, der jedoch ruhig in die Tiefe gehen kann. Hierfür können sie die tiefsten Abgründe menschlichen Daseins verwenden und alle Charaktere bis zum Tod und hinaus leiden lassen.
  7. Ein Drehbuch für einen Kurzfilm unterliegt denselben Regeln der Ökonomie, wie ein normaler Film, oder ein normaler Roman. Schreiben und drehen sie ökonomisch, d.h. keine Szene oder kein Text sollte für den Mülleimer geschaffen werden. Nichts Überflüssiges sollte hineinfließen, nur dass sollte hinein, was unbedingt erzählt werden muss. Keine Schnörkeleien oder Kunstgehabe; Es sei denn diese ist wichtig um das erzählte besser zu transportieren, oder es ist anders nicht möglich.
  8. Der Schwerpunkt eines Kurzfilms liegt in der “visuellen Arbeit”. Am besten verwendet man im Kurzfilm keine Dialoge, oder diese nur sehr subtil und angedeutet.
  9. Kurzfilm bedeutet vor allem dass sie sich kurz halten müssen (max 30 Minuten). Jede Information, sollte auch nur einmal transportiert werden. Sie dürfen sich nicht wiederholen. Es reicht wenn Sie in einer Szene klar machen, dass ihr Protagonist ein leidender Mensch ist, der Zuschauer versteht es und weiß worum es geht. Sie müssen diesen Charakterzug also nicht in einer weiteren Szene bearbeiten, um dem Zuschauer das nochmals deutlich zu machen.
  10. Ein Kurzfilm ist die Königsdisziplin des Films überhaupt. Jeder Regisseur und Filmemacher hat mit Kurzfilmen angefangen. Kurzfilme dienen der eigenen künstlerischen Entfaltung und haben nichts mit der Geldmacherrei der Langspielfilme Hollywoods zu tun. Ganz wichtig ist, dass sie keine anderen Kurzfilme kopieren. Denken Sie hierbei auch an Punkt 1.
  11. Dieser Punkt ist eigentlich eine Fortführung von Punkt 7 “ökonomisches Schreiben”. Auch was die Wahl der Schauspieler und ihrer Besetzung angeht, müssen sie stets an die Ökonomie denken. Besetzen sie die guten Rollen im Kurzfilm nur mit den besseren Schauspielern die ihnen zur Verfügung stehen. Es bringt dem Film, aber auch den Schauspielern rein Garnichts, wenn die Besetzung den Rollen nicht gewachsen ist. Am Ende leiden alle daran, vor allem weil der Kurzfilm keinen Erfolg findet. Experimentieren sie also nicht rum und befolgen sie diesen Rat.
  12. Ein Kurzfilm heißt nicht umsonst Kurzfilm. Im Idealfall ist ein Kurzfilm knapp 15 Minuten lang, maximal sollte er nicht länger als 30 Minuten andauern. Dies ist wirklich knapp! Wie soll man etwas wirklich Wichtiges und Tiefgründiges in so kurzer Zeit, mit technisch versiertem und künstlerisch anspruchsvollem Können erzählen. Genau das ist die Kunst! Wer es schafft auf diese Art zu erzählen, der ist reif für größere Projekte und hat bereits sein Können – auf künstlerischer und technischer Ebene – bewiesen.
  13. Es gibt einige Dinge, die einen Kurzfilm lächerlich erscheinen lassen, und ihm jede Ernsthaftigkeit und jedes Künstlerische berauben. Vermeiden sie es in ihrem Film Kinder, Tiere, komplizierte Drehorte, Armeen zu zeigen. Selbstmorde, Knarren, Drogen, Liebesgedudel, SEK-Teams, Traumsequenzen, Film über Film, Künstlerexistenzen, Auftragskiller, und ähnlich abgedroschene Inhalte wirken immer lächerlich, werden aber immer wieder gerne verwendet. Diese Dinge sind jedoch Ideen schlechter Filmhochschulstudenten und wenig einfallsreich. Fast jeder Mensch, ja selbst Kinder die viel Fernsehen schauen, würden auf solche Ideen kommen. Diese Dinge sind alles andere als ein Alleinstellungsmerkmal und haben in einem Kurzfilm mit Anspruch nichts zu suchen.
  14. Ein Kurzfilm ist nicht nur eine Reifeprüfung für jeden Filmemacher, sondern insbesondere auch eine Art Visitenkarte für die weitere Karriere. Überlegen Sie sich, wo sie danach (nach dem Kurzfilm) sein wollen. Denken Sie darüber nach und machen sie nur dementsprechende Kurzfilme. Schreiben und drehen Sie für ihre eigene Biographie.
  15. Jeder Kurzfilm benötigt einen guten Titel. Er benötigt einen “Supertitel”, einen echten Hook-up bzw. “Aufreißer”, also einen homogenen Titel der sich in die Köpfe der Zuschauer einbrennt.

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