Die tatsächlichen Kosten der Luftverschmutzung!

Luftverschmutzung durch Abgase einer Produktionsanlage im 2. Weltkrieg
Luftverschmutzung durch Abgase einer Produktionsanlage im 2. Weltkrieg © Alfred Palmer, Lizenz: Public Domain

30Die Luftverschmutzung verkürzt das Leben der Menschen um Jahre. Sie verursacht gleichermaßen beträchtliches Leid unter Erwachsenen und Kindern. Sie beeinträchtigt die Lebensmittelproduktion, und das in einer Zeit, in der wir mehr Menschen ernähren müssen als jemals zuvor. Dies ist nicht bloß eine wirtschaftliche Frage, sondern auch eine moralische. Luftverschmutzung lässt sich sowohl im Freien als auch innerhalb von Gebäuden hervorrufen. Für die ärmsten Familien ist durch Kohle- oder Dungbefeuerte Herde verursachter Smog innerhalb des Hauses in der Regel problematischer. Wenn sich Volkswirtschaften weiterentwickeln und ihre Elektrifizierung, Motorisierung und Urbanisierung einsetzt, wird die Außenluftverschmutzung das schwerwiegendere Problem.

Es gibt umweltfreundliche Technologien, die das Potenzial haben, die Luftqualität erheblich zu verbessern. Die Politik konzentriert sich in kurzsichtiger Weise auf die Kosten der Untätigkeit und kurzfristigen Lösungen, statt auf die erforderlichen Gesamtmaßnahmen. Dieser Ansatz ist untragbar angesichts der Tatsache, dass Wirtschaftswachstum und steigende Energienachfrage in den kommenden Jahrzehnten einen stetigen Anstieg der Luftschadstoffemissionen und rasch steigende Feinstaub- und Ozonkonzentrationen verursachen werden.

Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)

Laut Schätzungen eines neuen OECD-Berichts mit dem Titel „The Economic Consequences of Outdoor Air Pollution“ (Die wirtschaftlichen Folgen der Außenluftverschmutzung) wird die Außenluftverschmutzung 2060 zwischen 6 und 9 Millionen frühzeitige Todesfälle verursachen, gegenüber 3 Millionen im Jahre 2010. Dies entspricht einem Todesfall alle 4-5 Sekunden. Insgesamt werden in den nächsten 45 Jahren mehr als 200 Millionen Menschen infolge der Luftverschmutzung vorzeitig sterben. Zugleich wird die Zahl der verschmutzungsbedingten Erkrankungen zunehmen.

So wird bei den Neuerkrankungen an Bronchitis bei Kindern im Alter von 6-12 Jahren ein steiler Anstieg von 12 Millionen heute, auf 36 Millionen im Jahr 2060 prognostiziert. Was Erwachsene angeht, prognostizieren wir für 2060 rund 10 Millionen Neuerkrankungen pro Jahr, gegenüber 3,5 Millionen heute. Zudem werden immer mehr Kinder von Asthma betroffen sein. All dies führt zu mehr verschmutzungsbedingten Krankenhauseinweisungen; hier wird ein Anstieg von 3,6 Millionen in 2010 auf 11 Millionen in 2060 erwartet.

Erhöhte Problematiken von Luftverschmutzung in Ballungsgebieten

Diese Gesundheitsprobleme werden geballt in dicht bevölkerten Gebieten mit hohen Feinstaubkonzentrationen auftreten, insbesondere in den Großstädten Chinas und Indiens. Aber auch in Osteuropa, dem Kaukasus und anderen Teilen Asiens wie etwa Südkorea, wo alternde Bevölkerungen für die Luftverschmutzung besonders anfällig sind, wird die Sterblichkeit pro Kopf hohe Stände erreichen. Die Auswirkungen der Luftverschmutzung werden häufig auch im ökonomischen Sinne in Dollar diskutiert. Im Jahre 2060 könnten aufgrund der gesundheitlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung 3,75 Milliarden Arbeitsstunden pro Tag verloren gehen. Ökonomen sprechen hier von einem „negativen Nutzen“ bezogen auf Erkrankungen. Die unmittelbaren Auswirkungen dieser Verschmutzung durch niedrigere Arbeitsproduktivität, höhere Gesundheitsausgaben und niedrigere Ernteerträge könnten 2060 ein Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) oder 2,6 Billionen Dollar jährlich übersteigen.

Die gesamte Menschheit zahlt den Preis

Doch so hoch diese Dollarzahlen sind: Die wahren Kosten der Luftverschmutzung spiegeln sie nicht wieder. Durch das Einatmen von Feinstaub und giftigen Gasen bedingte vorzeitige Todesfälle und das von Atemwege- und Herzkreislauferkrankungen ausgehende Leid haben keinen Marktpreis. Dasselbe gilt für das ständige Einatmen schlecht riechender Luft oder die Notwendigkeit, Kindern eine Gesichtsmaske aufsetzen zu müssen, nur damit diese draußen spielen können. Diese Belastungen wirken sich deutlich stärker auf die Menschen aus, als es sich durch ein wie auch immer geartetes Preisschild darstellen lässt. Leider bleibt trotzdem die Tatsache, dass Politiker stärker auf harte Zahlen reagieren, als auf abstrakte Erfahrungen. Die OECD hat daher eine Unzahl wirtschaftlicher Studien zur Luftverschmutzung ausgewertet, um zu quantifizieren, welchen Wert die Gesundheit für die Menschen hat.

Im Durchschnitt wären Menschen bereit, etwa 30 Dollar zu bezahlen, um ihr jährliches Risiko eines frühzeitigen Todes um ein Hunderttausendstel zu reduzieren. Diese Angaben stützen sich auf entsprechende umfangreiche Studien und Analysen der OECD unter Berücksichtigung fundierter Bemessungsgrundlagen. Die bis 2060 anfallenden weltweiten Kosten durch die Außenluftverschmutzung bedingter frühzeitiger Todesfällen, würden atemberaubende 18-25 Billionen Dollar betragen. Man kann argumentieren, dass dies kein „reales“ Geld ist, weil die Kosten nicht an Markttransaktionen gebunden sind. Doch es spiegelt den Wert wider, den Menschen ihren sehr realen Leben zuordnen – und den sie einer Politik zuweisen würden, die dazu beitragen würde, ihren sehr realen Tod hinauszuschieben.

Es ist Zeit, dass die Regierungen aufhören, über die Kosten der Bemühungen zur Begrenzung der Luftverschmutzung zu lamentieren und sich über die sehr viel höheren Kosten Gedanken zu machen, die entstehen, wenn die Luftverschmutzung ungebremst fortschreitet. Das Leben ihrer Bürger liegt in ihren Händen.

Informationen der Bundesregierung

In einer vor wenigen Tagen erschienenen Pressemitteilung kam auch die Deutsche Bundesregierung zu der weitreichenden Erkenntnis, dass Luftverschmutzung krank mache. Sie verwies unter anderem auf einen Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wonach jährlich etwa 3 Millionen Menschen vorzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung sterben. Das Bundesumweltministerium sieht die Hauptproblematik bei den Stickoxiden und dem Feinstaub. Die zuständige Ministerin Hendricks sprach von einer benötigten „übergreifenden Strategie“ hinsichtlich der Stickstoffemissionen.

Quellen

Mortality Risk Valuation in Environment, Health and Transport Policies (OECD), The Economic Consequences of Outdoor Air Pollution (OECD), Simon Upton (Air Pollution’s true Costs, aus dem Englischen), iea.org (worldenergyoutlook), Bundesregierung, Bundesumweltministerium, WHO, Wikipedia

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