Abholzung in Brasilien: Der Regenwald weiter in großer Gefahr!

Eigentlich wollte die brasilianische Regierung die illegale Abholzung des heimischen Amazonas-Regenwaldes bis zum Jahr 2030 völlig eindämmen, doch wie mehrere Gutachten und Daten ergaben ist der radikale Kahlschlag im Jahr 2015 wieder sprunghaft angestiegen. Nach unabhängigen Angaben beläuft sich die Zunahme der Abholzung in der Region auf rund 24%. Allein im Amazonas-Gebiet „Amazônia Legal“ wurden zwischen August 2014 und Juli 2015 etwa 6200 Quadratkilometer Wald dem Erdboden gleich gemacht. Eine Fläche mehr als 11 Mal so groß wie der Bodensee. Die meisten der vorgelegten Berichte und Ergebnisse stammen von einem seit dem Jahr 2004 bestehenden brasilianischen und internationalen Projekt, in Zusammenarbeit mit dem „INPE“ (Nationales Institut für Raumforschung) und verschiedenen Regenwaldschutz-Organisationen.

Unverzichtbarer Tropenwald

Der Tropenwald bewahrt nicht nur eine einzigartige Artenvielfalt, er reguliert im Besonderen das Weltklima und ist die Lunge der gesamten Erde. Auf einer Fläche die größer ist als die gesamte Europäische Union beherbergen die brasilianischen Tropenwälder die größte Artenvielfalt und sind ein gigantischer Kohlenstoffspeicher. Das Programm zur Vorbeugung und Bekämpfung der Abholzung Amazoniens hat seit seiner damaligen Einführung für eine deutliche Reduzierung der Kahlschlagsflächen gesorgt, als umso besorgniserregender werden nun von vielen Stellen die neuen Erkenntnisse bezeichnet. Vor dem Inkrafttreten des Programmes hatte der Amazonas-Regenwald seinerzeit eine Fläche von 27.772 Quadratkilometern verloren. Angestrebt wurde dann die jährliche Abholzung bis zum Jahr 2020 auf unter 4000 Quadratkilometer zu reduzieren.

Abholzung in Brasilien – Neue Sorgen und Problematiken

Trauriger Spitzenreiter der auf einmal wieder sprunghaft angestiegenen Abholzungen ist wie in der Vergangenheit auch schon der Bundesstaat Pará, der mit 2.153 Quadratkilometern für über ein Drittel der Kahlschlagsflächen verantwortlich ist. Die Forscher des „INPE“ betrachten allerdings auch die zunehmenden Abholzungsgebiete in den Bundestaaten Mato Grosso und Amazonas, vor allem entlang der Straße “Transamazônica” mit großer Sorge. In beiden Gebieten registrierte man einen Anstieg der Rodungen um 49 und 42 Prozent. Außerdem ist in Brasilien die Folgen von Abholzung und Brandrodung nach wie vor die größte Emissionsquelle von Treibhausgasen.
Die Verantwortlichen sind sich nahezu alle einig, dass Brasilien neue Wege gehen muss, unter anderem auch mit stärkeren Kontrollen und Strafmaßnahmen, um die für den Klimaschutz versprochenen Ziele einzuhalten sowie den Kahlschlag zu bremsen.
Ein Problem ist, dass die Agrar-Industrie vermehrt auf Flächen für die Viehzucht und den Ackerbau pocht. Doch nicht nur die Landwirtschaft treibt die Zerstörung des Regenwaldes voran, auch für die Produktion von Holzkohle wird immer mehr gefällt. Diese Kohle wird unter anderem bei der Herstellung von Roheisen benötigt. Der daraus hergestellte Stahl findet sich dann in der Autoindustrie wieder, auch von deutschen Herstellern. Gemessen an seinen Ressourcen kann man Brasilien wohl getrost als reichstes Land der Erde bezeichnen. Aufgrund riesiger fruchtbarer Agrarflächen ist Brasilien einer der Haupternährer der Welt.

Ein neuer Kampf hat begonnen

Nach der Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff, von der viele westliche Investoren behaupteten, sie hätte erfolgreich und über Jahre jedes Wirtschaftswachstum in Brasilien verhindert, kann man nun im Umkehrschluss befürchten, dass dem Raubbau nun im erheblichen Maß stattgegeben wird. In den meisten anderen Ländern ist Ackerland für Investoren oder die Agrarindustrie kaum noch erschwinglich, doch in Brasilien ernten die großen „Player“ bis zu 4 Mal im Jahr und das zu günstigen Bedingungen. Einhergehend mit dieser Entwicklung besteht dabei aber auch eine weitere Gefahr, ein unaufhaltsamer Völkermord an der indigenen Bevölkerung.
Etwa 30 000 Indigene vom Volk der Guarani-Kaiowá kämpfen im brasilianischen Bundesstaat “Mato Grosso do Sul” um Zugang zu ihren traditionellen Gebieten. Sie wurden in der Vergangenheit von ihrem Land vertrieben, um Platz für eine großflächige Landwirtschaft zu schaffen. Nach einem Bericht vom „Instituto Socioambiental“ eskalierte im Sommer dieses Jahres die Situation als etwa 70 bewaffnete Farmer mit ihren Pickup-Trucks zu einer Versammlung der Guarani fuhren, an der etwa 1000 Indios teilnahmen. Die Farmer fingen an, das Feuer auf die Indios zu eröffnen. Es gab einen Toten und 10 Verletzte.
Vermehrt kommt es zu Konflikten zwischen den Guarani-Kaiowá und Farmerinnen und Farmern. Die von 1915 bis 1928 von der Regierung abgesteckten Reservate für die Guarani-Kaiowá sind heillos überfüllt. Viele Indigene hausen in notdürftigen Camps oder an den Straßenrändern. Auf Grund des fehlenden Zugangs zu Land können sie sich nicht selbst ernähren. Hunger, Unterernährung, Selbstmorde und Morde an indigenen Aktivistinnen und Aktivisten prägen den Alltag vieler Gemeinden.

Weitreichende Folgen – das Staudamm-Projekt „Belo Monte“

Das Leben vieler Menschen an der großen Biegung des „Rio Xingu“ ist gefährdet. Die Lebensgrundlage Tausender Einheimischer und Indigener, die vom Regenwald und dem Fluss abhängig sind, droht unwiederbringlich zerstört zu werden. Hierzu trägt insbesondere auch das bereits im Jahr 2005 von der Regierung genehmigte Staudamm-Projekt „Belo Monte“ bei. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 2011, unter weltweiten Protest. Für das 10,5 Milliarden Euro teure Dammprojekt muss der Xingu-Fluss auf einer Fläche von 502 Quadratkilometern aufgestaut werden. Große Teile des Regenwaldes wurden abgeholzt. Das trug unter anderem dazu bei, dass im letzten Jahr der Süden Brasiliens von einer historischen Dürre heimgesucht wurde.
Der „Monster-Staudamm“ würde nicht nur massiv in eines der größten und wichtigsten Ökosysteme der Welt eingreifen, sondern er ist auch politisch und sozial ein äußerst umstrittenes Unterfangen. Die ausführenden Firmen des verantwortlichen Baukonsortiums sind in massive Korruptionsskandale verstrickt. Der komplette Bau des Staudamms geht mit systematischer Korruption einher und die mit viel Lob angepriesenen geschaffenen Arbeitsplätze haben in der Vergangenheit allzu oft unmenschliche Arbeitsbedingungen erkennen lassen.

Es ist Zeit zum Handeln!

Brasilien muss sich seines so wichtigen Erbes erinnern und dazu bekennen und die internationale Gemeinschaft muss seinen Teil dazu beitragen. Anstrengungen und Projekte gibt es in ausreichender Zahl, nur müssen diese alle an einem Strang ziehen und die nationalen und auch internationalen Bemühungen sollten Priorität haben und nicht zeitgleich mit anderweitigen industriellen profitbedachten Interessen gegeneinander aufgewogen werden.

Quellen

n-tv, geo, brasilienportal, nopa-brasil, regenwald-institut, Leibnitz-Institut, INPE, Climate Culture, wikipedia

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Martin Podlasly
Martin R. Podlasly, geb. 01.03.1966 in Hamburg. Ehemaliger Polizeibeamter des Bundes und des Landes Hamburg. Freier Autor.

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