Dieser Artikel ist eine Einladung über ihre emotionalen Gewohnheiten – das emotionale Vermächtnis ihrer Sozialisation – nachzudenken. Die beigefügte Übung ist eine Einladung zur Neuinterpretation und zur energetischen Vollendung ungelebter Emotionen und Gefühle; es ist ihre Möglichkeit des Umlernens eines neuen Ausdrucks (= Etwas von innen nach außen hervorholen), sowie der Umgestaltung ihrer Gefühlswelt – und damit ihrer Wirklichkeit; Sie werden erkennen und akzeptieren welche Prägungen und Muster Sie beeinflusst haben – und auch heute noch tun; Sie werden so die alten neuronalen Trampelpfade verlassen, destruktive Emotionen und Gefühle und damit zusammenhängendes Verhalten auflösen und durch etwas völlig Neues ersetzen. Machen Sie sich auf den Weg, ein ganz neuer, positiverer, erfüllterer und ganzheitlicherer Mensch zu werden. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

Der menschliche Emotional-Körper und seine Bedeutung

Wir alle kennen – mehr oder weniger – unsere eigene Gefühlswelt und können uns eigentlich auch ziemlich gut auf diese einlassen. Von der hiesigen Gefühlspalette, aus der sich der Mensch bedienen kann, haben viele von Ihnen, verehrte Leser, eine beachtliche Anzahl durchlebt und Sie können diese sogar präzise benennen und beschreiben. Im Grunde genommen stimmen sich viele Menschen auch problemlos in ihre Gefühlswelt ein und lassen aufsteigende Gefühlsstürme auch zu. Jedoch neigen auch viele häufig dazu, bestimmte Emotionen und Gefühle zu verdrängen oder sogar ganz zu ignorieren.

Emotionen und Gefühle sind eng mit unserem Seelenleben, unseren inneren Wahrheiten verbunden. Sie sind somit innere Hinweisgeber und auch Richtungsweiser. Emotionen und Gefühle – ich mache zwischen den beiden Begriffen keinen allzu großen Unterschied -, sind, wenn Sie so wollen, eine Art Veto-Instanz, und geben ihren inneren Wahrheiten und ihrem Körper-Geist Gefüge eine Stimme. Jedenfalls sind Emotionen und Gefühle häufig stimmiger mit unserer Innenwelt (und seinen Wahrheiten), als das Diktat der vielen Stimmen aus der Außenwelt – z.B. Eltern, Lehrer, Politiker und andere Autoritäten.

Leider ist es bei vielen Menschen nichts Außergewöhnliches, wenn sie diesen „Emotional-Körper“ bzw. ihre Gefühlswelt verleugnen, nicht akzeptieren oder diese sogar verurteilen. Manche lassen sich auch einfach nur von ihren Emotionen überwältigen und meinen dann sogar sich intensiv und konstruktiv, und für ihr Wesen förderlich, mit diesen Emotionen und Gefühlen auseinandergesetzt zu haben. Dies ist natürlich nicht ganz richtig. Wir müssen jede Emotion und jedes Gefühl erst einmal so annehmen bzw. akzeptieren wie es in unser Leben tritt; wir dürfen diese nicht leugnen, sondern müssen tief in diese hineinspüren, ohne sie dabei zu verurteilen. Ein bloßes wahrnehmen und durchleben reicht nicht aus. Wir müssen unsere Gefühle und Emotionen – egal ob negativ oder positiv – in unsere Persönlichkeitsstruktur integrieren und so an ihnen wachsen.

Zugegeben, so manches Gefühl ist ziemlich ärgerlich, und außerdem macht es doch auch viel mehr Sinn, wenn wir uns nur auf die guten Gefühle – z.B. glücklich sein – konzentrieren. Warum sollte man sich auch mit negativen Gefühlen wie Wut, Scham, Angst, Zorn etc. beschäftigen? Es macht doch viel mehr Sinn, diese negativen Gefühle und Emotionen, so gut es geht, zu vermeiden, oder etwa nicht… denn schließlich ist z.B. die Scham doch nur was für Weichlinge und die Wut nur etwas für unbeherrschte Zeitgenossen? Dies und vieles weitere wird häufig gegen Gefühle und Emotionen vorgetragen. „Der moderne Mensch behält seine Emotionen und Gefühle für sich; Emotionen und Gefühle sind Privatsache; Emotionen und Gefühle sind ein Relikt aus der Steinzeit – und man könnte fast meinen, der moderne Mensch sei ein funktionierender biochemischer Roboter, der seine limbischen Gefühlsausbrüche abschaltet und stets schablonenhaft reagiert.“ – woran glauben Sie?

Emotionen – Der Bezug zu unserer Seele

Wenn wir unsere Gefühls- und Gedankenwelt derart zensieren, und somit die Wirklichkeit – also das was in uns und durch uns wirkt -, ausblenden, dann werden diese nur in uns aufgestaut. Sie werden damit keinesfalls überwunden, und steigen dann irgendwann, natürlich ganz unverhofft, brodelnd an die Oberfläche, und werden so zur zwingenden Wirklichkeit – die Sie aber nicht mehr als ihre eigene selbsterzeugte Wirklichkeit wahrnehmen, sondern als einen Schicksalsschlag, der Sie ohnmächtig, also machtlos, fühlen lässt. Wir werden dann zu Opfer unserer eigenen Wirklichkeit, anstatt zu kreativ-schöpferischen Gestaltern. Wenn wir unsere Emotionen und Gefühle, die ja unseren inneren Wahrheiten – also auch unserer Wirklichkeit – entsprechen, nur lange genug verbannen, so haben wir irgendwann keinen Bezug mehr zu ihnen – wir wissen nicht mehr, dass diese einmal zu uns gehörten und nehmen sie fortan als etwas fremdes wahr.

Nicht integrierte Gefühle können uns schaden

Die unter der Oberfläche brodelnden Emotionen und Gefühle sind, wie schon erwähnt, nicht weg; und Sie spüren vielleicht auch nicht mehr die Wut etc., doch die Energie hinter der Wut ist noch vorhanden, ja sogar stärker als je zuvor. Diese Energie – die Wut -, sucht sich auf Grund ihrer fehlenden Integration, Verarbeitung und Akzeptanz ein anderes Ventil zur Entladung, als über eine Äußerung in Form einer Emotion, oder eines Gefühls. So wird die Wut z.B. zu einem Kopf- oder Bauchschmerz; ignoriert man diese Emotion weiterhin, werden diese Symptome zu einer chronischen und ernsthaften Erkrankung. Wohin sonst sollte auch die Energie hinfließen? Sie muss im Körper durchlebt und so integriert werden. Somit hätten wir nun deutlich klargelegt, warum wir alle Emotionen und Gefühle akzeptieren, durchleben und letztlich integrieren, und damit zu einem Teil von uns machen, müssen. Holen Sie die ins dunkle verbannten Emotionen und Gefühle wieder ans Licht ihres Bewusstseins, integrieren Sie ihren Schatten – im besten Sinne C .G. Jungs – und werden Sie ein erfüllterer Mensch.

Das emotionale Vermächtnis – und wie es unsere Wirklichkeit bestimmt

Diese Emotionen und Gefühle kommen nicht aus dem Nichts unserer Innenwelt. Sie entstammen äußeren Reizen bzw. sind verinnerlichte Erfahrungen aus unserer Umwelt – so z.B. Erziehung, Eltern, Lehrer, Freunde, Medien, soziale Zwänge u.v.m. Diese Erfahrungen werden uns im Laufe unserer persönlichen und charakterlichen Entwicklung zu eigen; und bestimmen und formen unser Denken und Handeln; sie werden zu einem „emotionalen Vermächtnis“, das uns aus unserem inneren heraus steuert, und bis zu einem gewissen Grad einem Autopiloten gleichkommt – vorausgesetzt wir beschäftigen uns mit ihnen nicht so, dass diese in unser Wesen integriert werden. Um eines klarzustellen, dieses emotionale Vermächtnis sind nicht wir. Und trotzdem entscheidet das emotionale Vermächtnis über unser Leben bzw. es gestaltet unsere Wirklichkeit. Dies ist eine leidvolle Tatsache, denn das emotionale Vermächtnis prägt über das Denken und Verhalten auch unser neuronales Netzwerk, und macht diese umso mehr zu einer wahrhaften Realität – denn die Realität wird letztendlich in unserem Gehirn konstruiert bzw. das Gehirn ist die substanzielle (organische) Voraussetzung der Wirklichkeitswahrnehmung- und Interpretation. So werden die erlernten Gefühls- und Denkmuster zu einem festen Repertoire, nach der wir unsere Welt gestalten und ausrichten, und aus der wir dann die Welt zwingenderweise wahrnehmen können.

Emotionen und Gefühle – Energien, die im Körper ihre Vollendung suchen

Ein Gefühl oder eine Emotion ist lediglich eine Form von Energie. Sie ist weder gut noch böse. Emotionen und Gefühle lassen uns im Grunde eine höhere kosmische Dynamik, ein höheres Lebensprinzip und eine höhere Kraft wahrnehmen. Diese Energien werden erst durch unsere Beurteilung der erworbenen Erfahrung, auf eine ganz bestimmt Weise eingefärbt. Diese Einfärbung macht uns immer unfrei und blockiert den Zugang zu der reinen Energie, welche man eigentlich förderlich nützen könnte. Wer diesen kosmischen Energiefluss nicht in seinem eigenen Energiekreislauf integriert, wird niemals wirklich frei, glücklich und erfolgreich sein. Eine Emotion, ist schon dem Wortsinne nach, eine Energiebewegung, und muss demnach auch in unserem Inneren als eine Bewegung vollendet werden. Stockt diese Bewegung, weil wir diese nicht abschließen (die Emotion innerlich nicht verarbeiten), so erstarrt der Energiefluss (die Emotion) in uns und wartet so auf seine Vollendung bzw. Bearbeitung und Integration. Die unverarbeitete Energie wird im Körper gespeichert, und wirkt dort – mit hoher Wahrscheinlichkeit – zerstörerisch.

Das Umprogrammieren der destruktiven emotionalen Prägung

Die naheliegendste Prägung für unsere Gefühlswelt ist unser familiäres System. So ist es an dieser Stelle auch sinnvoll, wenn wir – Sie – mit der Bewusstwerdung der prägenden Emotionen, Gefühle und Gewohnheiten aus der Zeit mit diesen Bezugspersonen beginnen. Die Eltern üben nämlich die stärkste (und nachhaltigste) Prägung auf unser Wesen aus. Später können Sie die Übung auf andere Personen, Situationen, oder auch auf bestimmte Ziele, Wünsche und Träume anwenden. Für die eigentliche Übung benötigen Sie Schreibmaterial (Kugelschreiber, Notizblock) und einen ruhigen und störungsfreien Ort (Zimmer), an dem Sie intensiv nachdenken, und über das Erarbeitete schreiben können.

Schritt-für-Schritt-Anleitung der Übung

Schritt 1:

Der erste Schritt besteht aus einer Reihe von einfachen – und unscheinbaren – Fragen. Diese Fragen führen Sie direkt zur Wurzel ihrer emotionalen Welt. Beantworten Sie bitte alle gestellten Fragen ehrlich. Denken Sie über die Antworten intensiv nach. Wenn Sie bei einer Frage nicht weiterwissen, so gehen Sie zur nächsten über, bis ihnen zu der unbeantworteten Frage doch noch eine Antwort einfällt.

Frage A
Wie haben Ihre nahen Bezugspersonen (Mutter, Vater, oder einen andere Ihnen nahestehende Person) verschiedenen Gefühle und Emotionen wie Wut, Hass, Traurigkeit, Zorn, Glück etc. geäußert?

Frage B
Wie haben diese Bezugspersonen auf Sie reagiert, wenn Sie diese Emotionen und Gefühle geäußert haben? Welche Bewertungen darüber konnten Sie hören?

Frage C
Wie haben Ihre Bezugspersonen allgemein auf Emotionen und Gefühle reagiert? Hat man sich für ihre Gefühlswelt interessiert? Wurde Sie danach befragt? Wurden Sie nach ihrem Schultag und ihrem Befinden im Alltag gefragt?

Frage D
An wen konnten Sie sich in Ihrer Kindheit bei Enttäuschungen, oder auch bei Glück wenden? Wo konnten Sie Ihre Emotionen und Gefühle abreagieren bzw. diese aussprechen?

Frage E
Wie wurden Konflikte innerhalb der Familie ausgetragen? Wie sind Ihre Bezugspersonen bei Konflikten zwischen Geschwistern umgegangen? Gab es in den Beurteilungen des Verhaltens Unterschiede zwischen den einzelnen Geschwistern – wie hat sich das auf Sie ausgewirkt?

Schritt 2:

Sie wissen nun welche Emotionen und Gefühlen Sie ausgesetzt waren, und auch welche Emotionen und Gefühle sich wie ausgewirkt haben; Sie wissen wie ihre Bezugspersonen im Allgemeinen auf Emotionen und Gefühle reagieren. All das haben Sie in Schritt 1 geklärt. Im nächsten Schritt wollen wir nun klären, was Sie aus alldem gelernt haben bzw. wie Sie all diese Dinge persönlich bewertet haben. Durch die nun folgenden Fragen, werden Sie erfahren, welchen emotionalen Einfluss dieser Input (emotionales Vermächtnis/Prägung) auf ihr heutiges Verhalten hat, und wie dieses Verhalten zu ihren Gewohnheiten (Autopilot) geprägt haben. Beginnen Sie mit dem Umdenken!

Frage A
Äußern Sie Emotionen und Gefühle wie Wut, Zorn, Hass, Glück, Freude, Traurigkeit ähnlich wir ihre Eltern? In welcher Art und Weise bestehen zwischen ihrem heutigen Emotions- und Gefühlsausdruck und dem ihrer Mutter, ihres Vaters, ihres Bruders, oder anderer nahestehender Bezugspersonen etc. (Autoritäten)?

Frage B
Welche Emotionen und Gefühle wurden in ihrer Familie überhaupt nicht ausgedrückt (d.h. nach außen getragen), angesprochen, geäußert, oder wurden sonstwie ausgeblendet?

Frage C
Wie wollen Sie diesen erworbenen Gefühlsausdruck – egal ob dieser damals ausgedrückt wurde, oder nicht –in ihrem Sinne verändern? Wie würden Sie heute gerne darauf reagieren? Durch welches Reaktions- und Verhaltensmuster, würde Sie es ersetzen?

Hinweise zum Schluss der Übung

Beobachten Sie in den kommenden Tagen und Wochen ihre Emotions- und Gefühlswelt. Ist die Reaktion auf bestimmte Situation ihre ganz eigene – und neu erlernte – Entscheidung, oder schon wieder nur ein erworbener destruktiver Ausdruck aus dem emotionalen Vermächtnis aus der Zeit mit ihren Eltern? Wenn Sie diese Übung mehrere Male erfolgreich absolviert haben, so können Sie dazu übergehen, diese Übung auch auf andere Themen anzuwenden – z.B. Freunde, Ziele, Wünsche, Träume… u.v.m.

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