Digitalisierung: Sind wir noch gesellschaftsfähig?

Digitalisierung
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Die Digitalisierung verändert unser aller Leben: auf gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, beruflicher und privater Ebene. Besonders interessiert uns folgend der Aspekt der gesellschaftlichen Auswirkungen. Verändern wir uns von gesellschaftsfähigen Wesen hin zu Individuen? Die Digitalisierung ist dabei eine Entwicklung, die vor allem eines bedeutet: gesellschaftlicher Umbruch! Es ist dabei eine Veränderung in der Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, uns und andere erleben sowie miteinander kommunizieren.

Ein Großteil unserer Kommunikation findet heutzutage auf digitalem Wege statt, was zu einem massiven Wandel im gesellschaftlichen Umgang der Menschen miteinander führt. Gemeinsame Erlebnisse werden immer mehr zur einseitigen Notwendigkeit – dies scheint immer mehr für viele Bereiche des alltäglichen Lebens zu gelten. Exemplarisch betrachten wir den fortschreitenden Wandel der Einkaufskultur. Vor nicht allzu langer Zeit entstanden in unseren Großstädten nach US-amerikanischem Vorbild riesige Shopping-Center wie das KaDeWe in Berlin oder das CentrO Oberhausen. Mehr als eine bloße Aneinanderreihung einzelner Geschäfte waren diesen Shopping-Malls Orte der Zusammenkunft und Erlebnisstätten, insbesondere für die junge Generation. Das Shopping entwickelte sich in diesen Zentren schnell zum gemeinsamen Erlebnis – man traf sich mit Freunden, aß gemeinsam, kaufte ein und besuchte die umliegenden Bars. Doch diese über Jahrzehnte hinweg stilisierten Verhaltensweisen, die Shopping gerade durch das Aufkommen der großen Malls zu einem besonderen Erlebnis empor hoben, scheinen mehr und mehr der Vergangenheit anzugehören.

Online Shopping bzw. der e-Commerce via Smartphone oder am heimischen Computer sind hier die Schlüsselwörter – gegenwärtige Realität und längst kein Neuland mehr. Die Entwicklung im stationären Einzelhandel scheint immer mehr zu stagnieren, viele Einzelhändler verschwinden nahezu ganz aus den Innenstädten. Der e-Commerce ist jedoch etwas ganz anderes und nicht mit dem Erlebnis vergangener Shopping-Tage zu vergleichen. Online Shopping ist etwas, was wir alleine machen. Es scheint rein zweckgebunden und gleicht viel mehr einem eher kühlen und emotionslosen Strategiespiel am Smartphone als einem echten Erlebnis. Produkte sind nun zu jeder Zeit und an jedem Ort per Klick erreichbar, es geht primär um das Vergleichen der Preise als den gesellschaftlichen Spaß.

Auch andere Bereiche des alltäglichen Lebens werden durch die Digitalisierung maßgeblich verändert. Als Gemeinschaftserlebnis scheint selbst der einst so hochgelobte Erfahrungsraum Kino im digitalen Zeitalter dem Verfall zu unterliegen. Es ist die Art, wie wir noch bis in die jüngste Vergangenheit hinein gemeinsam mit Freunden die neusten Filme erlebt haben; für den einen oder anderen Hollywoodblockbuster stand man sogar mit Freunden bei Wind und Wetter stundenlang in der Schlange vor den großen Kinokomplexen. Im Zuge einer immer mehr digitalisierten Welt scheint aber auch diese Bastion mehr und mehr ihre Daseinsberechtigung im Kampf mit den neuesten Stars digitaler Unterhaltung, den Streaming- und Video-on-Demand Anbietern wie Netflix, zu unterliegen. Dies führt dazu, dass wir Filme alleine zu Hause abends auf der Couch erleben, statt gemeinsam mit Freunden dem Kinoerlebnis auf der großen Leinwand zu frönen.

Unterhaltung ist ein gutes Stichwort, was uns folgerichtig und unweigerlich zur Frage führt, was nur aus dem guten alten Spieleabend oder dem gemeinsamen Ausgehen mit Freunden geworden ist. Die großen Klassiker der Spielewelt gibt es mittlerweile alle für den heimischen Computer oder das Smartphone. Es verliert sich scheinbar die Notwendigkeit, die diese Anlässe zu einem gesellschaftlichen Ereignis werden ließen. Die digitale Welt ersetzt das Ausgehen in Zukunft scheinbar nahezu vollständig. Konzerte schauen wir uns vermehrt beispielsweise auf YouTube an und warum sollten wir die Spannung eines Escape Room Abenteuers live erleben, wenn es genauso am Smartphone möglich ist?

Auch der Casino Besuch zählte einst als gesellschaftliches Highlight, für das man sich schick anzog, in den Smoking bzw. das Abendkleid schlüpfte, an einem der begehrten Tische Platz nahm und die Augen nicht mehr von den Drehungen der Roulette-Kugel lassen konnte; stets in der Hoffnung, dass sie genau im richtigen Fach zum Erliegen kam. Doch auch hier fand ein Wandel statt, denn warum bis zur nächsten Spielbank fahren und sich rausputzen, wenn man das alles auch eingemummelt im warmen Wohnzimmer mit einem Knopfdruck auf dem Handy erleben kann? Die Digitalisierung krempelt auch diesen Bereich gänzlich um.

Erinnert ihr euch noch, wie ihr euren Partner kennengelernt habt? Fand es früher noch in der realen Welt in der Schule, dem Uni-Campus oder der Disco statt, begegnen wir uns heute in virtuellen Single-Börsen und Dating-Plattformen wie Tinder, die wir auf unsere neusten Smartphones immerzu griffbereit haben. Diese schier unfassbar große Auswahl an potenziellen Partnern in der Hosentasche führt gesellschaftlich dazu, dass wir uns immer weniger auf einen möglichen Partner festlegen – aus Angst, man könnte ja einen besseren potenziellen Partner verpassen.

Digitalisierung und der damit einhergehende gesellschaftliche Wandel betrifft uns alle. Wir genießen die Vorteile in einer digitalen Welt zu leben oder gar aufwachsen zu können, doch sehnen uns nicht selten auch zurück, nach der guten alten Zeit, die das Leben sicherlich in vielerlei Hinsicht komplizierter gestaltete, doch andererseits zu einem Höchstmaß an Gesellschaftsfähigkeit beitrug. Hier gilt es noch Wege zu finden, um durch Digitalisierung trotzdem wieder soziale Interaktion zu fördern.

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Redaktion
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