Tabak: Ein Genuss-Experiment – und warum Nikotin nicht schmeckt

Tabak, Nikotin
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Warum rauchen Sie eigentlich?

Als selbstbewusster Raucher würden Sie wahrscheinlich auf diese Frage eine passende Antwort finden – natürlich aus Ihrer Sicht passend. Einige von vielen möglichen, aber absurden Antworten wären zum Beispiel: „Ich rauche gerne, weil die Zigarette (Sorte XY) mir schmeckt; Rauchen und der Tabak ist für mich ein Genuss… uvm.“ Für die allermeisten Raucher mögen diese Aussagen stimmig klingen, aber mit der Realität haben sie rein gar nichts zu tun. In diesem Artikel versuche ich Ihnen zu beweisen, warum die Argumente bezüglich Geschmack und Genuss nicht haltbar sind – und wann man überhaupt von Genuss sprechen kann.

Nikotin schmeckt nicht, oder etwa doch?

Für einen Nichtraucher jedenfalls schmeckt jede Zigarette gleich, nämlich unangenehm und scheußlich; sie würden einem Nichtraucher genauso schmecken, wie ausgedrückte Zigarettenstummel, die auf der Aschebehälterablage über einem Mülleimer liegen, an einem verregneten Tag riechen – ich weiß, es klingt übertrieben, aber viele Nichtraucher würden den Zigarettenrauch ähnlich hart beschreiben. Den angeblich guten Geschmack und den damit verbundenen Genuss reden Sie sich nur ein; es handelt sich bei diesem trügerischen Glauben (an einen Genuss) lediglich um die Sucht nach Nikotin. Glauben Sie mir etwa nicht?

Nun gut, dann rauchen Sie einmal eine Zigarette ohne Nikotin und die suchtfördernden Zusätze. Ich garantiere Ihnen, wenn Sie noch bei Verstand sind, werden Sie ganz plötzlich den Geschmack vom Tabak nicht mehr mögen – genauso ist es doch auch beim Wechsel Ihrer Zigarettenmarke von stark auf Light. Vielleicht werden Sie mir zum Trotz einige Tage lang Nikotin freien Tabak rauchen – doch nach ein paar Tagen werden Sie genug davon haben; ganz bestimmt nicht werden Sie dabei auf die Idee kommen und gleich täglich 20 Zigaretten von diesem Tabak zu rauchen.

Das Genuss-Experiment – rauchen sie wirklich weil der Tabak schmeckt?

Es gab und gibt noch (aber sehr selten) Tabak, dem das Nikotin entzogen wurde; auch Zigaretten aus – durch Genmanipulation – nikotinfreien Tabakpflanzen. Doch diese Produkte finden kaum einen Absatzmarkt. Dabei müssten diese Produkte doch der Renner unter den Genussrauchern sein – hieße dies doch Tabakgeschmack und ungenierter Genuss bis zum Abwinken; ein nie endender Genuss, und alles ohne Reue; ein suchtfreies Rauchen ohne Folgen für die Gesundheit. Eine prima Sache! Warum gibt es dann kaum Raucher von nikotinfreien Zigaretten? Hier wird ganz klar und deutlich, dass das Rauchen rein gar nichts mit Genuss zu tun hat – und Tabak nicht wirklich schmeckt. Machen Sie ruhig einmal selbst diese Erfahrung; rauchen Sie eines dieser nikotinfreien Zigaretten.

Die angebliche Genusszigarette

Nehmen wir trotzdem einmal an, dass das Rauchen ein echter Genuss wäre und, dass das Verlangen nach einer Zigarette nicht der Beseitigung der Entzugserscheinungen dienen würde. Warum müssen Sie diesen angeblichen Genuss ca. 20-30-mal am Tag, oder gar öfter wiederholen? Ein edles Gericht beim 5-Sterne Gourmetkoch ist auch ein Genuss, doch würden Sie mehrmals am Tag und das über Jahre immer wieder nur dieses Gericht in sich hineinschlingen – obwohl Ihnen Ärzte, Freunde und sonst wer davon abraten? Würden Sie dieses Gericht noch als genüsslich empfinden, wenn Sie es draußen vor dem Bürogebäude (in der Raucherecke) bei klirrender Kälte essen müssten? Wäre Ihr Gourmet-Gericht noch ein Genuss? Ist Ihre Zigarette noch ein Genuss? Würde Ihnen eine Zigarette unter diesen Umständen noch schmecken?

Die Antworten darauf sind ganz klar: Ein genussvolles Gericht wäre keines mehr – es würde mit der Zeit nicht mehr schmecken, genauso wie Ihnen eine Zigarette nicht mehr schmecken würde. Wie soll etwas einen guten Geschmack haben – und ein Genuss sein -, wenn man es missbraucht und davon abhängig ist? Echter Genuss ist eine Seltenheit und macht nicht abhängig – wenn man das Genussmittel maßvoll nutzt und damit wirklich genießt. Ich bin mir sehr sicher, dass dies die wenigsten Raucher können.

Ein paar Worte zum Schluss

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich bin nicht strikt gegen Tabak, sondern nur gegen die moderne Applikationsform des Tabaks durch die Designerdroge Zigarette. Tabak ist für mich definitiv eine Kultur- und Heilpflanze, und auch ein Genussmittel. Allen die es so verwenden, denen gönne Ich Ihre Verwendung vom Herzen. Mir sind die Kulturgeschichte und die ursprüngliche rituelle Verwendung der Tabakpflanze durchaus bekannt. Aber was die Industrie daraus gemacht hat und mit welchen Mitteln sie dies tut, ist kein Stück zu tolerieren. Ich gönne Ihnen Ihren Genuss – wenn man bei 1,5 Schachteln am Tag noch von Genuss sprechen kann. Sicherlich ist der Tabak eine bedeutende Kulturpflanze mit einer langen Tradition der sinnvollen Nutzung; und sicherlich ist der Tabak ein Genussmittel, so wie alles ein Genussmittel sein kann.

Dennoch: wer täglich eine Schachtel, oder mehr, am Tag raucht, wer trotz gesundheitlicher Probleme durch das Rauchen weiter raucht und nicht aufhören kann, obwohl er es will – und dafür auch noch Geld ausgibt -, der sollte vielleicht sein Verständnis von dem Begriff “Genuss ” überdenken. Ein Genuss ist eine Seltenheit und sollte achtsam geschehen – ein Stück Kuchen ist für mich ein Genuss, doch wenn Ich gleich eine ganze Torte hastig verschlinge und trotz aller Restriktionen mein Stück Kuchen draußen vor der Tür im Regen innerhalb einer weißen Markierung mit der bloßen Hand verputze, dann wäre es berechtigt, wenn andere Menschen zumindest denken würden, das mein Verhalten evtl. ein Problem ist und nichts mit Genuss zu tun hat. Es gibt noch sehr vieles zu diesem Thema zu schreiben. Es ist ein wichtiges Thema.

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Gökhan Siris

Gökhan Siris beschäftigt sich nun schon seit mehr als 10 Jahren mit Themen aus den Bereichen Gesundheit, Medizin, Psychologie, Psychotherapie, Naturheilkunde, Esoterik, aber auch mit Lebensberatung und Life-Coaching. Er ist Heilpraktiker, psychologischer Berater, Matrix Reimprinting Practitioner, EFT-Coach, BSFF-Coach und freiberuflicher Schriftpsychologe bzw. Graphologe. Als Ratgeber und Experte zu den genannten Themen steht er Ihnen gerne zur Verfügung.

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